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Der Löwe - Beschützer der Schwachen

15. Februar 2007 um 12:57 Letzte Antwort: 16. Februar 2007 um 0:19


In den Astrologiespalten der Zeitungen wird der Löwe sehr emsig als König der Tiere und der Größte von allen porträtiert. Schließlich wird er von der Sonne beherrscht, dem Großen Licht, wie sie in der mittelalterlichen Astrologie genannt wurde. So gibt es also das traditionelle Bild des Löwen: fliegende Mähne, Zuversicht und Sonnenschein ausstrahlend, bereit, jeden Feind niederzuzwingen und ihn zu überflügeln, sich selbst, das Leben und den Applaus der Menge liebend. Die meisten Löwen geben sich die größte Mühe, dieses Bild zu kultivieren. Sie sind die letzten, die erzählen werden, daß das Zeichen in Wirklichkeit ganz anders ist. Das ist aber tatsächlich der Fall.
Unter einem bestimmten Zeichen geboren zu sein oder seinen Aszendenten und viele Planeten in ihm zu haben, zeigt einem nicht automatisch, daß man auch so ist, daß man all diese Eigenschaften besitzt, voll vergrößert und fertig zur Ausstellung im Schaufenster. Es bedeutet lediglich, daß einem ein Vorrat von Möglichkeiten angeboren ist, etwas, das man erstreben soll. Man wächst in sein Horoskop hinein wie ein Samen, der sich zur Pflanze entwickelt. Die Sterne entsprechen uns, reflektieren uns, stehen in Beziehung zu uns; aber sie formen nicht unser Schicksal.
Jemand, der viel vom Löwen in seinem Horoskop hat, muß nicht unbedingt zuversichtlich, strahlend, egozentrisch, schöpferisch und selbstsicher sein. Er kann auch danach streben, Zuversicht zu entwickeln, danach trachten, sein Wesen auf seine Umgebung ausstrahlen zu lassen, versuchen, sich selbst zu entdecken und seine Kreativität auszudrücken. Und weil ihm diese Ziele wahrscheinlich ungeheuer wichtig sind, wird er viel Zeit und Energie darauf verwenden, sie zu erreichen Aber ein zuversichtlicher Löwe? Wohl kaum. Gerade das Gegenteil ist der Fall, und darum braucht er auch soviel Zeit, um über sich nachzudenken.
Der Löwe ist ein Feuerzeichen. Das Element des Feuers befaßt sich vor allem mit der Entdeckung und Erfüllung zukünftiger Möglichkeiten. Beim Widder haben diese Möglichkeiten mit Handeln, mit Führung und mit Herausforderung zu tun, beim Löwen mit der Erfüllung seines eigenen, eigenartigen Mythos. Mehr als die beiden anderen Feuerzeichen liebt er es, aus sich selbst einen Mythos zu machen. Er ist so idealistisch, daß er einen zum Weinen bringen kann. Sogar der Löwe, der sich in den Mantel des Zynismus hüllt, ist im Herzen ein Romantiker. Und der eigene Idealismus bringt den Löwen selbst zum Weinen, denn er neigt dazu - da er von Natur aus ziemlich starr ist -, auch in seinen Gewohnheiten und Denkweisen etwas stur zu sein. In anderen Worten: Der Löwe macht sich gern ein Bild vom Leben, und dieses Bild ist meist von Zauber und Romantik gefärbt. Es braucht viel, ihn zu überzeugen, daß das Leben nicht das Märchen ist, das er sich ausgedacht hat und in dem die Schurken stets erkennbar und absolut böse und die Helden stets erkennbar und absolut gut sind, in dem immer der Held gewinnt und der Schurke verliert und die schöne, gerettete Prinzessin gebührend dankbar und hingebungsvoll ist. Manchmal, sehr zum Kummer des Löwen, haben die Helden und Schurken sanfte Grautöne und sind nicht leicht zu unterscheiden. Der Löwe sieht die Dinge schwarz oder weiß. In dieses Schema passen die Vielfältigkeiten und Schwierigkeiten der menschlichen Natur nur sehr schlecht. Auch die schönen Prinzessinnen haben, besonders in jüngster Zeit, die häßliche Angewohnheit, gar nicht gern gerettet werden zu wollen, weil sie gerade lernen, es selbst zu tun. Was soll der arme Löwe machen? Auf der Ebene des wirklichen Lebens erleidet er einen Schock nach dem anderen. Wie auch bei den beiden anderen Feuerzeichen muß seine Intuition Überstunden machen und ihm alles über die schöpferischen Möglichkeiten erzählen, aus denen heraus er seinen Mythos als Held, Schöpfer, Erhalter und Beschützer der Schwachen ausleben kann. Heutzutage ist dies eine verdammt schwer zu spielende Rolle, da die Menschen so wenig empfänglich dafür sind. Darum gibt es Zusammenstöße zwischen dem Löwen und einigen Aspekten des Lebens, die ihm gar nicht gut gefallen. Wenn er aber an seiner inneren Vorstellung von sich selbst festhalten kann und die Forderung aufgibt, daß der Rest der Welt sich seinen Idealen anpaßt, mag ihm eines Tages aufgehen, daß er wirklich der Held ist, der sich selbst sucht, und daß die in ihm blühende Liebe zum Leben nicht verschwendet ist, nur weil er sich gelegentlich der Wirklichkeit ein wenig anpassen muß.
Diese Tendenz, am Ideal festzuhalten und verwirrt zu werden, wenn es nicht der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich am deutlichsten bei den Beziehungen des Löwen. Im Beruf, in der Liebe, in der Familie und unter Freunden reagiert er ständig fassungslos auf die Kleinlichkeit, Zwiespältigkeit, Eifersucht und generelle Bösartigkeit, mit denen die menschliche Psyche so reichlich ausgestattet ist. Nicht, daß er diese Eigenschaften nicht auch besäße. Aber normalerweise wird der Löwe sich jede Mühe geben, im Umgang mit anderen ehrenhaft aufzutreten. Das entspricht seinem ritterlichen Moralbegriff. Er ist ein lebender Anachronismus. Treue ist dem Löwen furchtbar wichtig,, genau wie die Ehre - ein Wort, dessen Bedeutung auf den heutigen Märkten ziemlich angeschmutzt ist. Es ist gut zu verstehen, warum der Löwe so oft einen verletzten, desillusionierten Ausdruck auf seiner edlen Miene zur Schau trägt.
In der großen, weiten, farbenprächtigen Welt, in der der Löwe lebt, wird das Eindringen des Kleinen und Banalen nicht gern gesehen. Er malt sein Bild mit breiten, ungehemmten Pinselstrichen. Wo immer eine neue originelle Idee gebraucht wird, wo Einfluß ausgeübt und eine neue schöpferische Möglichkeit vorausgesehen werden muß, wird man den Löwen antreffen. Manche Löwen geraten dabei allerdings in seltsame Extreme. Überall aber, wo es heißt, etwas sei unmachbar, wird ein Löwe auftauchen, der entschlossen ist, es zu machen.
Der Ärger mit all diesen großen, kühnen und farbigen Pinselstrichen auf der Leinwand des Lebens ist, daß jemand die Pinsel säubern und die Farbdosen auswaschen muß. Nicht nur hinterher, sondern auch während der Arbeit. Der Löwe wird es bestimmt nicht sein, denn er fühlt sich gefangen und unglücklich, wenn er sich mit dem Kleinkram des Alltags auseinandersetzen muß. In Heldensagen trifft man selten einen Helden an, der über den Einkauf von Mundwasser nachdenkt, damit er der Prinzessin angenehm ist. Solche Einzelheiten gehören nicht in die Welt der Sagen. Wer hätte je gehört, daß König Artus im Warenhaus einkaufte, um ein Sonderangebot verbilligter Kettenhemden auszunützen?
Der Löwe ist extravagant. Seine Extravaganz entstammt zwei Quellen. Erstens liebt er es, wenn alles Qualität hat, schön, luxuriös und dazu ausgefallen und stilvoll ist; zweitens gibt er sich nicht damit ab, auch noch nachzuprüfen, ob er genügend. Geld auf dem Konto hat. Der Löwe schätzt es nicht, sich anpassen zu müssen, und er haßt Einschränkungen. Wenn er etwas haben möchte, meint er, es stünde ihm auch zu. Sparen? Ein Haushaltsplan? So was Albernes. Irgendwie wird es schon gehen. Die Intuition verhilft dem Löwen zu einem uferlosen Optimismus. Muß er stempeln gehen, wird er alle Gedanken in die ferne Zukunft richten, in der er wieder ganz oben ist. In der Zwischenzeit aber - und das ist die Schwierigkeit - muß sich oft ein anderer um seine Probleme kümmern. Man könnte sagen, daß der Löwe sich so aufführt, als brauche er rund um die Uhr ein Sekretariat und eine Hauptbuchhaltung. Es ist gut möglich, daß der erfolgreiche Löwe genau darüber verfügt. Für ihn ist das Leben dann wirklich ein Märchen, denn er kann seinen Phantasien nachgehen, wie es ihm gefällt. Für den Löwen mit beschränkten Mitteln aber kann das Leben zur Hölle werden Oder er macht es seinem Partner zur Hölle, denn der muß ihn erinnern, daß er einen Termin beim Arzt hat, die Stromrechnung noch nicht bezahlt ist, die Anzüge in die Reinigung müssen und so weiter. Löwen machen ganz unbewußt den Eindruck, daß sie erwarten, versorgt zu werden und jemand zu haben, der hinter ihnen herräumt, weil sie mit so viel wichtigeren Dingen befaßt sind.
Der Löwe als Feuerzeichen wird oft von Erdzeichen-Partnern angezogen, die die Stabilität und den Realismus zu bieten scheinen, die er zur Vervollkommnung seiner großen Träume braucht. Aber die Klagen dieser erdverhafteten Partner sind groß! Wie kommt der Löwe zu der Vorstellung, er hätte Wichtigeres zu tun und könnte die anderen immer mit der Dreckarbeit sitzen lassen? Es geht nicht um absichtliche Herrschsucht. Wenn man einem Löwen sagt, daß er sich schlecht benimmt, wird er meist zugleich erstaunt und verletzt sein. Er behandelt die Menschen nicht absichtlich wie eine Horde von Hofschranzen. Aber seine Gedanken richten sich so oft in die Zukunft oder in seine visionäre Traumwelt oder auf das große Ziel, daß er einfach nicht merkt, welche Schwierigkeiten er anderen bereitet. Seine Talente aber sind oft so überragend, daß die anderen ihm vieles durchgehen lassen. Wenigstens eine Zeitlang.
Dies steht mit einer weiteren merkwürdigen Facette der Psychologie des Löwen in Verbindung. Weil er in einer etwas dramatisierten Welt lebt, kann er sich oft nicht mit der Tatsache abfinden, daß die äußere Welt sich nicht ebenso wie seine innere Welt allein um ihn dreht. Darum fällt es ihm schwer zu erkennen, daß das Leben auch ohne ihn weitergeht. Er muß sich selbst für wichtig halten und versucht daher oft, dieses Selbstgefühl dadurch zu finden. daß er für andere wichtig ist. Wenn man ihn nicht bemerkt, verletzt ihn das. Objektivität ist nicht die Stärke des Löwen.
Löwen werden gern von anderen kopiert, weil sie häufig Stil und Charisma haben und weil es für andere so aussehen muß, als ob man mit ein wenig Aufwertung der eigenen Persönlichkeit enorm weit käme.
Für den Löwen ist nichts wichtiger als seine eigene Welt. Es schmerzt ihn und es fällt ihm schwer, über seine eigenen Grenzen hinauszugehen und zu verstehen, daß andere Menschen wirklich anders sind, anders denken und fühlen und was das wichtigste ist, das Recht haben, anders zu sein. Im Herzen ist der Löwe das Götterkind des Tierkreises. Für ein Kind ist die Welt eine geheimnisvolle und aufregende Verlängerung des eigenen Selbst. Daß die Sonne scheint, daß es regnet, geschieht nur um seinetwillen, und Glück und Unglück stehen in persönlicher Beziehung zu einem Himmel, der belohnt oder bestraft, und sind nicht Ergebnisse eigenen Verhaltens oder reine Zufälligkeiten.
Löwe-Männern und Löwe-Frauen fällt es schwer, die Bühne mit jemandem zu teilen, denn das bedeutet ein Schmälern der Möglichkeiten zum eigenen schöpferischen Ausdruck. Es bedeutet auch eine Begrenzung, denn sie müssen sich an die Bedürfnisse und Gefühle eines anderen anpassen. Darum findet der Löwe oft ganz offene oder auch verborgene Wege - und es gibt viele getarnte Löwen, die gar nicht wie Löwen aussehen, ihrem Zeichen aber ebenso treu sind wie ihre strahlenden Brüder-, das aufgegebene Terrain zurückzuerobern. Ängstliche und heimlich nachtragende Menschen halten sich vom Löwen besser fern. Feuerzeichen sind nicht gerade für ihr Gespür für die Gefühle ihrer Mitmenschen berühmt; sie erfassen auch nicht durch Gedankenübertragung, was andere brauchen. Der Löwe kann unwissentlich auf den Gefühlen anderer herumtrampeln, ohne es überhaupt zu merken, einfach nur, weil er so sehr in die eigenen Vorstellungen verstrickt ist Wer also selber ein wenig Platz auf der Lebensbühne für sich beansprucht, muß das laut sagen. Wer aber die zehn vergangenen Jahre in duldsamer Unterwürfigkeit verbracht hat und ein Magengeschwür oder Migräneanfälle hat, weil er vor Wut über den gefühllosen Löwen innerlich kocht, muß sich selbst die Schuld geben.
Obwohl er gern vor anderen paradiert und seine Eleganz vorführt, hat der Löwe entsetzliche Angst davor, ungeliebt, mittelmäßig, nicht anerkannt und unbemerkt zu sein. Und sein Stolz wird ihm meist nicht erlauben, es zuzugeben. Es ist manchmal schwer verständlich, daß diese prachtvollen und immer indivi-
dualistischen Menschen nicht so extravertiert sind, wie sie wirken. Der Löwe ist oft scheu und sehr introvertiert, hängt aber so leidenschaftlich an der Liebe und Anerkennung anderer, daß er praktisch zu allem bereit ist, um ihren Beifall zu erringen. Dies ist ein Identitätsproblem. Die wichtigste Lebensaufgabe des Löwen ist, herauszufinden, wer er ist, warum er lebt und warum er er selber ist. Für ihn ist dies eine lebenslange Herausforderung. Wenn er die nötige Selbstachtung nicht in seinem eigenen Wesen findet, wird er sie wie Rauschgift von seiner Umwelt erbetteln.
Seine eigentliche Reise aber geht nach innen, zu den Quellen seines Daseins. Im Herzen ist der Löwe ein religiöses Zeichen, wenn man das Wort nach seiner ursprünglichen Bedeutung gebraucht: Wiederverbinden. Das ist das Geheimnis seines intensiven Verlangens, etwas zu erschaffen, das sein inneres Wesen widerspiegelt- sei es eine Gesellschaft, ein Buch, ein Gemälde, eine politische Bewegung, eine Fluggesellschaft, ein wissenschaftlicher Erfolg, ein Imperium oder eine Fotografie. Im Schöpfungsvorgang findet er seine Selbstbestätigung. Der Löwe, der sich bemüht, dem Rat und der Belehrung anderer zu folgen, ist eine Katastrophe. Ein Leben der Gefolgschaft läßt ihn an Herzkrankheit und Frustration sterben. Er muß etwas erschaffen können, das ganz und ausschließlich sein Werk ist, wie klein es auch sei.
Von anderen erwartet der Löwe dieselbe Vornehmheit, nach der er selbst strebt. Er kann sowohl bei anderen als auch bei sich selbst ein unerträglicher Perfektionist sein. Das Beste ist nicht gut genug. Wer seine Träume zerstört, bereitet ihm Schmerz, aber nur der Schmerz kann ihn aus seinem Stolz und seiner Selbstgefälligkeit aufrütteln. Er hat das Herz eines edlen Ritters, aber er braucht Realismus und Lebensweisheit und vor allem den Humor, um über sich und seine Schwächen lachen zu können. In den Sagen und Märchen sind die Helden nicht komisch. Diese Rolle bleibt dem Hofnarren überlassen. Wenn der Löwe lernt, selbst den Narren zu spielen und über sich zu lachen, zeigt sich seine wahre Vornehmheit. Außerdem ist es wichtig, daß er Anpassungsfähigkeit lernt, denn von Natur aus hat er das selten. Am wichtigsten ist, daß er an sich glaubt, an das, was ihm wichtig
ist, was er werden möchte. Der Löwe ist das menschlichste, das edelste und das tragischste - im Sinne der Antike - aller Zeichen. Sein Zeichen ist der Inbegriff des Menschen, dieser verwirrten Kreatur, die halb Tier und halb Gott ist und bis heute weder die eigenen Ursprünge noch die Tatsache erkannt hat, daß die Erde noch von anderen menschlichen Wesen bevölkert ist, die anders als er sind. Der Löwe, der dies lernt, ist wirklich der Held.
Seltsamerweise ist der Löwe oft vaterlos oder hat eine schwierige Beziehung zu seinem Vater. Es scheint, als verlange die tiefere Bedeutung, der dieses Zeichen unterliegt, eine Art Suche nach dem wahren Vater, dem inneren Selbst oder dem geistigen Kern. Auch der Ruf, das Sichere und Vertraute um einer gefährlichen, aber glänzenden Zukunft willen zu verlassen, ist für den Löwen charakteristisch. Oft rebelliert er gegen die Autorität oder die soziale Struktur, wenn er zu neuen Taten aufbricht. Wo man den Löwen auch antrifft, immer richtet er den Blick darauf, größer und besser zu werden. Immer winkt ihm etwas, das anziehender ist als der Ort, an dem er gerade verweilt.
Die Suche des Löwen ist die Suche nach sich selbst. Wer bin ich? Weichen Sinn hat mein Leben? Wieso bin ich anders als die anderen? Es ist ein stark introvertiertes und tiefempfundenes Streben. Viele Löwen sind sich keineswegs klar darüber, daß sie diesen Weg beschreiten, aber sie folgen ihm dennoch. Der großspurige Löwe der alten Auslegung ist gewöhnlich ein sehr junger Löwe, der noch nicht geweckt ist, oder ein älterer Löwe, der sich auf der Suche nach dem Gral verirrt hat und nicht den Mut besitzt, es noch einmal zu versuchen. Darum sucht er seine Identität bei seinem Publikum. Aber der Löwe ist nicht der große Schauspieler des Tierkreises. Diese Rolle steht dem Schützen zu, dessen ausschweifender Beherrscher Jupiter ein viel besserer dramatischer Laienspieler ist. Der Weg des Löwen führt ins Innere, obwohl die Früchte seiner schöpferischen Suche oft zu Produkten werden, die die Welt sieht und anerkennt. Aber der schöpferische Vorgang als solcher hat in Wirklichkeit nichts mit Publikum zu tun. Er betrifft nur den Löwen selbst. Die Entdeckung, daß ein Anderes, ein Etwas in ihm selbst ihm über das Medium seines Geistes und seiner Hände schöpferische Ideen und Vorstellungen vermittelt, ist für den Löwen wichtiger als alles andere.
Die Neigung des Löwen zur Egozentrik kann andere Zeichen irritieren. Sie muß aber als das gesehen werden, was sie ist: als starker Drang zur Selbsterkenntnis. Auch der Löwe sollte das wissen, denn sonst kann er in den Fehler verfallen, anzunehmen, daß sein ich das einzige Objekt des ganzen Energieaufwandes ist. Dann wird er wirklich unleidlich. Er kann sich aufblähen und glauben, das herrlichste Geschöpf auf Erden und der Auserwählte Gottes zu sein, dem jedermann Gehorsam schuldet. Wenn der Löwe aber begreift, daß das Andere nicht er ist, sondern seine innere Quelle, dann hat er wahrhaft die Vision vom Heiligen Gral und wird zu einem Licht, das das Leben anderer erleuchtet und zwar nicht durch das, was er tut, sondern durch das, was er ist - der wahre Held, der das Ziel seines Wegs gefunden hat.
Die Schattenseiten
Der Schatten des Löwen ist wahrscheinlich einer der bekanntesten aus dem Tierkreis, denn nichts, was der Löwe tut, ist klein oder unauffällig. Alles ist bei ihm überlebensgroß. Das umfaßt auch seine Schattenseiten. Nennen wir es mal das Ich-der-König-Syndrom. Bei einem König erübrigen sich Debatten, Argumente, Verhandlungen. Es wird gehorcht.
Die Schattenseiten des Löwen sind vielfältig. Eine davon ist gelegentlich hinter seiner Großmut erkennbar. Manchmal ist die Großmut echt, und niemand auf der Welt kann so großmütig und freigebig sein wie der Löwe. Wenn sich aber der Schatten verschiebt, leidet die Echtheit. Es steckt eine Absicht dahinter. Der Löwe liebt es, gebraucht zu werden; er liebt das Gefühl, daß Menschen von ihm abhängig sind. Manchmal vergißt er, daß es ebenso wichtig ist, einen Menschen zu ermutigen, er selbst zu sein, wie immer nur zu geben. Manchmal ist es noch wichtiger,
ein Geschenk annehmen zu können. Der Löwe gibt und gibt, will aber nicht nehmen, weil dann der andere auf derselben Ebene steht wie er und damit das Verpflichtetsein wegfällt.
Manchmal umgibt sich der Löwe auch mit schöpferischen Menschen, um selbst um so besser glänzen zu können. Das geschieht wenn der Löwe nicht tun kann, was er gern tut; wenn ihm die Gelegenheit fehlt, sich selbst zu erschaffen. Dann aber schenkt er ihnen nicht die verdiente Anerkennung und übernimmt manchmal - unbewußt - ihre Ideen als die seinen. Möglicherweise spielt er die Tatsache gegen sie aus, daß er ihnen überhaupt erst die Chance gegeben hat; er erlaubt ihnen nie, ihr eigenes Licht leuchten zu lassen. Protestieren die anderen aber, dann fällt es ihm mit all seinem Charme sehr leicht, ihnen Schuldbewußtsein einzuflößen und sie undankbar erscheinen zu lassen, wo er doch so großzügig und duldsam war. Mit einem Löwen in dieser Stimmung ist der Umgang mehr als schwierig, denn es ist seine eigene Unsicherheit, die ihn so handeln läßt. Man weiß, daß man ausgenützt worden ist, kann es aber nicht beweisen. Nützen einen der Steinbock, die Jungfrau oder die Waage aus, weiß man genau wie und auf welche Weise. Der Löwe hingegen ist gewöhnlich so freigebig und großzügig, daß einem einfach keine Situation einfällt, auf die man ihn festnageln könnte. Also hängt er sich an einen, flößt einem Wohlbehagen ein, weil man ihm geholfen hat, und dann macht sich der Schatten des Löwen breit und raubt einem nach und nach alle Ideen und gibt sie als seine eigenen aus.
Dies ist ein ziemlich düsterer Schatten. Aber der Löwe hat für alles große Gesten, und seine Vornehmheit ist ebenfalls groß. Wenn der Löwe glänzt, überstrahlt er alle anderen. Wenn er im Schatten steht, ist er schwärzer als jeder andere. Die Wurzel dieses Schattens ist seine Ich-der-König-Psychologie. Für den Löwen sind die anderen Menschen in seinem Leben so etwas wie die Verlängerung des eigenen Selbst. Er glaubt ehrlich, ihre schöpferische Begabung und ihre Ideen gehörten ihm und er hätte das Recht, sich ihrer zu bedienen, weil ihm das Universum gehört und er der König ist. Es geht um Unsensibilität und die mangelnde Anerkennung der Individualität anderer. Schuld daran ist seine Selbstversenkung ins eigene Ich. Wenn der Schatten am Werk ist, vergessen manche Löwen, Leistungen anderer anzuerkennen, oder sie geizen mit Lob und Ermutigung. Der König und Vater Löwe hält die Menschen, die er liebt, häufig für seine Kinder. Unglücklicherweise rebellieren die Kinder gegen diese Herrschaft, und dann meint der Löwe, daß ihm Unrecht geschehen ist, und teilt es der Welt mit.
Dies ist einer der Gründe, warum es für den Löwen so wichtig ist, eigene schöpferische Möglichkeiten zu finden. Er braucht Anerkennung für die eigenen Fähigkeiten und sollte darum viel Zeit und Energie dafür aufwenden, etwas zu schaffen, das sie verdient. Der Löwe, der nichts Eigenes vollbracht hat, wird oft verbittert und eifersüchtig, und dann sieht man den Schatten deutlich. Er wird versuchen, jedem, der in der Nähe ist, die Schau zu stehlen, und vergißt, daß er im Mittelpunkt sein könnte, wenn er härter gearbeitet hätte.
Es gibt andere Formen der Schattenseiten. Eine davon ist: Ich weiß, was für dich am besten ist. Sie trifft auf viele sonst sehr warmherzige und ehrenhafte Löwen zu. Sie meinen es gut. Ihr Rat ist hilfreich, sie geben ihn gern und opfern viel Zeit und Mühe, anderen beizustehen. Der Arger ist, daß man sie vielleicht gar nicht darum gebeten hat. Der Löwe ist berühmt dafür, daß er sich gern überall einmischt. Das kann einem auf die Nerven gehen, besonders dann, wenn er ungebeten das Leben anderer in Ordnung bringen will und dann zutiefst verletzt ist, wenn man seinen Rat ablehnt. Der Löwe braucht es, gebraucht zu werden. Weil aber sein Mythos die Heldensage ist, braucht er es noch mehr, daß man zu ihm als Retter aufblickt. Wie soll er ein Held sein, wenn er niemand retten kann? Und wenn man sich wehrt weil man vielleicht gar keine Rettung braucht oder sich selbst helfen könnte -, dann gibt er dem anderen die Schuld, weil er undankbar und unempfänglich ist.
Eine dritte Variante des Schattens ist das Ich-weiß-allesSyndrom. Der damit behaftete Löwe bringt es nicht fertig, zuzugeben, daß er etwas nicht kann oder nicht weiß. Hier gibt es eine leichte Ähnlichkeit mit dem Jungfrau-Schatten, der auch ein Alleswisser ist. Aber die Motivation ist anders. Die Jungfrau muß alles wissen, weil ihr alles Unbekannte entsetzliche Angst macht. Der Löwe will wissen., weil er doch der König sein muß. Selbst wenn das, was er sagt, völlig absurd ist und von Unwissenheit strotzt, wird er sich nicht zurückhalten.
Wie kann der Löwe seinen Schatten bekämpfen? Am meisten hilft es, wenn er sich sehr, sehr genau kennt. Es fällt ihm äußerst schwer zu erkennen, was andere Menschen brauchen, weil er so viel als selbstverständlich voraussetzt. Der Löwe ist kein Zeichen der Beziehung wie der Krebs, die Waage oder die Fische. Darum muß er sich jede Mühe geben, zu erkennen, wie sich sein Verhalten auf andere auswirkt, und er muß ihnen ihre Unabhängigkeit lassen und ihnen Achtung zollen, will er nicht Freunde und geliebte Menschen verlieren und zu Feinden und Gegenspielern machen. Für den Löwen, der es so nötig hat, geliebt zu werden, ist Feindschaft eine Qual. Der Löwe ist von Natur aus grundanständig, nur sein Schatten benimmt sich manchmal wie ein Bulle und trampelt unnötig auf Willen und Wünschen anderer herum. Wenn ihm keine Zeit für die eigene Kreativität bleibt, gerät er in Gefahr, sie anderen zu rauben. Es ist keine leichte Aufgabe für ihn, sich selbst zu erkennen, aber sie ist es wert, gelöst zu werden, und entspricht dem wahrhaft vornehmen Wesen, das der Grundzug des Löwen ist.
Der Löwe als Partner
Die Liebe ist für den Löwen wie jede andere Lebenserfahrung etwas Mythisches, etwas, das voll ausgespielt werden. muß. Auch die Liebe muß groß, kühn, augenfällig und dramatisch sein. Ein bißchen Zuneigung paßt nicht zum Stil des Löwen. Er liebt es, verliebt zu sein, und er liebt es, den Liebenden zu spielen. Sein Partner wird vermutlich etwas erleben, was er nie zuvor erlebt hat.
Zuerst einmal hat der Löwe die magische Begabung für die genau richtige, großartige Geste. Er ist ein Romantiker, und er ist großzügig. Er zeigt seine Liebe, indem er den Partner mit Geschenken überhäuft. Diese Geschenke sind alles andere als die üblichen Pralinenschachteln. Höchstwahrscheinlich sind sie teuer, exotisch und schwer zu bekommen. Fast immer geht es um Dinge, die gezeigt werden sollen, damit auch andere sie bewundern können. Ein Löwe, der sich viel Mühe gemacht hat, etwas zu schenken, kann am Boden zerstört und erniedrigt sein, wenn das Geschenk nicht mit der gebührenden Begeisterung aufgenommen wird. Der Löwe ist ein besserer Geber als Empfänger. Er schenkt gern, aber er gibt seine Gaben nicht spontan; er ist sich ihrer bewußt und will dafür Dank einheimsen.
Die Ideen des Löwen von der Liebe sind völlig anders als die der Waage, dem anderen Zeichen, bei dem es sich am meisten um Liebe und Beziehungen dreht. Für die Waage ist Liebe eine Wechselbeziehung, eine Zweisamkeit, die Begegnung zweier verschiedener Wesen. Für den Löwen ist sie ein schöpferischer Akt, und er ist die Sonne im Mittelpunkt. Manchmal könnte man das Gefühl bekommen, daß der Löwe mitten in seiner Liebesgeschichte so verliebt in sein Verliebtsein ist und das liebreizende Bild seiner Liebe so sehr liebt, daß er das Liebesobjekt irgendwie aus den Augen verloren hat. Bei Liebesgeschichten ist das ein sehr typisches Problem des Löwen. Der Partner hat das Gefühl, gar nicht richtig dazuzugehören, es sei denn, er ist einer der Menschen mit der Begabung, mühelos in die Märchenwelt ein- und aussteigen zu können.
Abgesehen von diesem Problem, ist der Löwe der ideale Liebende. Ob Mann oder Frau, die Gabe, aus der Liebe etwas Magisches und Besonderes zu machen, ist eine der speziellen Eigenschaften des Löwen. Er vermittelt das Gefühl, daß zum erstenmal auf der Welt jemand verliebt ist. Er liebt stilvoll und rückhaltlos, und er ist von Natur aus treu. Denn obwohl eitel und gern vom anderen Geschlecht bewundert, ist er vom Wesen her ein beständiger Partner und hat die idealistische Vorstellung, daß Liebe beständig sein muß. Wenn er liebt; wird er Berge versetzen. (Wenn er nicht liebt, wird er häufig den anderen ausnützen.)
Für all seine Loyalität braucht er natürlich eine Gegengabe. Vor allem die Loyalität des Partners. Der Löwe und die Löwin sind eifersüchtige Katzen, die keine geringeren Nebenbuhler um die Gunst des Erwählten dulden. jeder Löwe kann sehr deutlich und ziemlich grob die Konkurrenz beleidigen und aus dem Feld schlagen. In vieler Hinsicht erfreut ihn der Wettbewerb, wenn er auf sicherem Boden ist, denn diese Art des ritterlichen Kampfes paßt zu seinem Image. Nicht ertragen kann er Verrat, der ihn schwer verwundet und den er nur selten vergeben wird. Der Löwe hat ein naives Herz und einen hochfliegenden Idealismus. Verratenes Vertrauen ist für ihn etwas ganz Furchtbares. Wo der Steinbock damit rechnet und der Skorpion mit diesem steten Verdacht lebt, kann der Löwe einfach nicht daran glauben. Er wird selten nach dem wahren Warum suchen. Für ihn ist es> eine Todsünde, eine schwerere kann man nicht begehen.
Der Löwe erwartet nicht nur Loyalität und Treue. Löwe und Löwin erwarten ebenfalls, wie ein König oder eine Königin behandelt zu werden. Das ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann der Löwe so liebenswert sein, daß man ihn sowieso königlich behandelt. Andererseits kann diese Ich-derKönig-Routine ein bißchen ärgerlich werden, weil sie doppelte Maßstäbe anlegt. Der Löwe neigt nun mal dazu, mit doppelter Moral zu operieren. Was kann er dafür, wo doch sein wichtigster Beweggrund die Selbstverwirklichung ist? Aber es ist nicht ganz leicht, dem Löwen sanft klarzumachen, daß das, was für ihn gilt auch für andere gilt. Er vergißt es so leicht.
Als Ausgleich für die Loyalität und die Liebe, die er so intensiv sucht, bietet der Löwe seine immer wache Bereitschaft, den anderen zu beschützen. Der Löwe-Mann und die Löwe-Frau kämpfen für einen geliebten Menschen und verteidigen ihn. Löwen können beschützen und unterstützen und unendlich fürsorglich sein, und sie scheuen nicht davor zurück, einem geliebten Menschen große Opfer zu bringen. (Kleine Opfer fallen ihnen oft viel schwerer.) Wenn es aber um eine große Tat geht, macht :kein Löwe einen Rückzieher. Er ist voller Selbstaufopferung, gibt alles und bereut es nie.
Alles in allem sind die Liebesbeziehungen und Ehen des Löwen immer interessant, aber selten ohne Komplikationen. Er ist zu temperamentvoll, seine Vorstellungen und Ideale sind zu hochgesteckt, Konflikte in den Niederungen des Alltags dadurch unvermeidbar. Der Löwe wird mit der irdischen Wirklichkeit des Zusammenlebens und den Schwächen und Grenzen der menschlichen Natur schlecht fertig. Er will die totale Liebe, die mythologische Liebe, die Liebe der Minnesänger. Im realen Sinne existiert diese Art von Liebe natürlich nicht, und der Löwe erleidet deswegen häufig Enttäuschungen. Andrerseits hat kein anderes Zeichen gleich dem Löwen die Fähigkeit, die mythische Liebe in die Welt der Wirklichkeit zu übertragen und den anderen Sterblichen bewußt zu machen, daß auch sie Helden und Prinzessinnen sind und daß es noch immer Heldensagen gibt. Die Beziehung zu einem Löwen überzeugt den Partner, daß Märchen gar nicht so altmodisch sind.
Der Löwe-Mann
Der Löwe-Mann ist immer leicht etwas überlebensgroß. Häufig liegt das offen auf der Hand - er ist schöpferisch, er hat Erfolg, er ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Der Löwe strahlt Charisma aus - und ob man ihn mag oder nicht, er wird auffallen. Manchmal aber erscheint der ruhigere, stärker introvertierte Löwe auf der Bildfläche, ohne mit großem Gebrüll auf sich aufmerksam zu machen. Lernt man ihn aber näher kennen, stellt man fest, daß er dieselben Eigenschaften hat und ebenso wie der laute Löwe das Bedürfnis, aus seinem Leben einen Mythos zu machen. Die stillen, schüchternen Löwen täuschen. Sie haben vielleicht reserviertere Aszendenten wie den Krebs, den Steinbock oder die Jungfrau. Aber sie bleiben Löwen. Das ausgeprägte Selbstbewußtsein, das Gefühl, sich auf einer Bühne zu befinden, vor Zuschauern zu spielen, ist beim introvertiertesten Löwen noch vorhanden.
Weil er so intensiv in einer Traumwelt lebt, wird der Löwe-Mann oft von einer erdgebundenen Partnerin angezogen. Daraus kann eine wunderbar schöpferische Verbindung entstehen, es kann aber auch eine Katastrophe geben. Wo es gutgeht, sucht der Löwe-Mann bei seiner Partnerin nach einem stabilisierenden Einfluß und gewinnt vielleicht durch sie Nüchternheit und Kontakt zur Realität, indem er ihre erdverbundenere Lebenseinstellung akzeptiert. Wo es zur Katastrophe kommt, entsteht sie aus der Tendenz des Löwen, kleine Dinge des Alltagslebens stark zu unterschätzen. Stellt er sich so ein, behandelt er seine Frauen gern, als existierten sie in seinem Leben nur, um hinter ihm herzuräumen und ihn an seine Verabredungen zu erinnern. Am Ende hat er eine wütende und sehr verbitterte Partnerin. Der verliebte Löwe kann hinreißend sein. Der Liebe gegenüber ist er weder ängstlich noch zurückhaltend, und seine großen Gesten - seien es Geschenke, zauberhafte Reisen zu zauberhaften Ferienorten oder dramatische Liebeserklärungen sind unwiderstehlich. Ein Löwe-Mann kann einer Frau das Gefühl geben, unendlich feminin und begehrenswert zu sein. Allerdings ist es für den Löwe-Mann ebenfalls typisch, daß er eine große Schar von Bewunderinnen und Bewerberinnen um sich sammelt. Auch wenn er kein besonders gutaussehender oder erfolgreicher Mann ist, hat er etwas an sich, das Frauen faszinierend finden. Der Löwe ist ein sehr männliches Geschöpf. Bei ihm gibt es keine Unklarheiten. Oft ist er geradezu das archetypische männliche Wesen, und aller Emanzipation zum Trotz ist es sehr schwer, diesem Magnetismus zu widerstehen.
Die Schwierigkeiten ergeben sich erst später. Vor langer Zeit, als die Rollen noch festlagen und die Frauen wenig Gelegenheit und vielleicht auch nicht den Wunsch hatten, aus der Rolle zu fallen, wäre der Löwe-Mann in jeder Hinsicht das Idealbild der Männlichkeit gewesen. Genaugenommen ist er das noch heute. Aber leider haben sich die Gesellschaft und die Menschen verändert; man erkennt in wachsendem Maße, daß Männer in ihrer Psyche eine weibliche und Frauen eine männliche Komponente besitzen. Das Bedürfnis, diesen inneren Gegensatz auszudrücken, steigert sich in unserer heutigen Welt. Hier treten nun die Schwierigkeiten für den Löwen auf, denn der Gedanke, eine Frau zu haben, deren Leben sich nicht allein um ihn als Mittelpunkt dreht, sagt ihm wenig zu. Viele Löwe-Männer reagieren sehr unwirsch, wenn eine Frau zuviel Interesse oder zuviel Hingabe an einen Beruf, eine schöpferische Tätigkeit oder auch nur unabhängige Privatinteressen, Liebhabereien oder Ideen zeigt. Der Löwe braucht das Gefühl, daß er die Sonne ist, die von ihr als Mond umkreist wird; wenn sie plötzlich ihr eigenes Licht leuchten läßt, wird er im besten Fall leicht beleidigt sein, im schlimmsten aber wird er ihr Eigenleben ersticken, weil es das seine bedroht. Der Löwe ist selten, der nicht nur das Bedürfnis seiner Partnerin nach unabhängiger Kreativität, sondern auch noch das eigene Verlangen nach einer selbständigen Partnerin anerkennt. Das kann er nur dann, wenn er auf dem festen Boden des Selbstvertrauens und der Selbstachtung steht. Tut er das nicht, dürfte das Leben mit ihm schwierig sein, weil alles, was sie tut und was ihn nicht in den Mittelpunkt stellt, von ihm als Verrat betrachtet wird.
Der Löwe-Mann hat wahrscheinlich die harmonischsten Verbindungen mit den flüchtigeren Zeichen wie Zwillinge, Fische, Jungfrau, Schütze, vielleicht auch mit der Waage. Das liegt daran, daß er als Typ festgelegt ist. Er ändert nicht leicht seine Gewohnheiten und Ansichten, und schon gar nicht, weil ihn jemand dazu aufgefordert hat. Wer versucht, einen Löwe-Mann zu bedrängen oder zu ändern, verschwendet seine Zeit. Er kann bis zur Verzweiflung starrsinnig sein, und sein Stolz wird nicht zulassen, daß er die Klugheit eines Rates anerkennt. Es ist seine Aufgabe, Rat zu geben, nicht, ihn anzunehmen. Andererseits kann Glaube an ihn und an seine Träume, Vertrauen in seine Hoffnungen und die Anerkennung seines manchmal kindlichen Verlangens nach ständiger Bestätigung und Aufmerksamkeit wahre Wunder wirken.
Ein Löwe, der weiß, daß man an ihn glaubt, kann Unglaubliches erreichen - für sich selbst und für die Welt.
Für eine unabhängige und in sich ruhende Frau kann ein Löwe zu einem großen Problem werden. Er verlangt sehr viel Zeit, Liebe, Aufmerksamkeit und Verehrung. Wäre er nicht so, wäre er auch nur halb so interessant und charismatisch. Extreme Frauenrechtlerinnen sollten sich von diesem Tier fernhalten, denn obwohl der Löwe fast alle Frauentypen liebt und es liebt, Frauen zu lieben, erwartet er von seiner Frau, daß sie zuallererst eine Frau ist. Für wen es wichtig ist, erst als Einzelwesen und dann erst als Frau anerkannt zu werden, wird Schwierigkeiten haben, mit dem König der Tiere ein Heim zu gründen. Andererseits ist der zurückhaltende Typ der Märtyrerin auch nicht für den Löwen geschaffen, denn er möchte seine Partnerin ebenso königlich haben, wie er es ist. Das strahlt dann auf ihn zurück. Er muß stolz auf sie sein können.
Wer sich mit einem Löwen einläßt, dem steht eine schwierige, aber sehr lebendige Beziehung bevor. Er ist kein bequemes Zeichen, dazu ist er viel zu temperamentvoll. Aber keiner kann sich mit dem Löwen messen, wenn es um Lebensfreude, Vitalität und Farbigkeit geht. Er ist ein Partner, den man respektieren und auf den man stolz sein kann und bestimmt nicht irgendwer. Er ist er selbst, was immer es ihn - und den Partner - kosten möge.
Die Löwe-Frau
Zahm, sanft, farblos und zurückhaltend ist diese Dame nicht. Sie ist eine Königin und will wie eine Königin behandelt werden. Selbst die stillere Löwe-Frau wird diese Seite ihres Wesens zeigen, wenn sie sie auch unter der Wahrung gesellschaftlicher Formen und gutem Auftreten geschickt tarnen kann. In Wahrheit ist die Löwe-Frau eine ausgeprägte Persönlichkeit und eignet sich nicht im geringsten zur konventionellen Modellfrau. Sie wird sehr oft für Unruhe sorgen und die Leute bewegen, über sie zu klatschen. Sie muß ihr eigenes Leben auf ihre eigene Art leben, und dieses Leben braucht Farbe und muß dynamisch sein. Haben Sie jemals in einem Käfig gehaltene Löwinnen im Zoo gesehen, die mit böse funkelnden Augen hin und her und her und hin schreiten, weil sie keinen Platz haben, sich zu strecken und zu rennen? Das tut die Löwe-Frau, wenn sie in gesellschaftliche Normen oder einengende Beziehungen gezwungen wird. Die Löwe-Frau braucht Raum für ihre kreativen Impulse. Ob diese sich als künstlerische Begabung, Organisationstalent, als Fähigkeit zum Umgang mit Menschen oder als sonst etwas ausdrücken, sie muß eine Persönlichkeit sein und etwas so gut tun, daß es ihr Anerkennung einbringt. Anerkennung ist der LöweFrau ebenso wichtig wie dem Löwe-Mann. Wenn eine LöweFrau kein Betätigungsfeld findet, neigt sie dazu, ihre Anerkennung darin zu suchen, daß sie jedem erreichbaren Mann den Kopf verdreht oder mit starker Pranke das Leben ihres Mannes und ihrer Kinder gestaltet. Später wird sie auch noch für alles, was sie für sie getan hat, gebührenden Dank verlangen. Diese dynamische, energische Frau braucht eine Bühne, auf der sie auftreten kann. Hat sie die nicht, zieht sie dem Partner vielleicht die Bretter unter den Füßen weg.
Löwe-Frauen sind oft erbitterte Konkurrentinnen. Im Berufsleben müssen sie etwas darstellen. Die Löwe-Frau sollte keine Stellung haben, in der sie immer nur die Untergebene ist; sie braucht Raum für ihre eigenen Ideen und sollte ihre Pläne verwirklichen können. Oft konkurrieren Löwe-Frauen auch mit ihren Geschlechtsgenossinnen. Ihr Zeichen eignet sich wirklich nicht gut für schwesterliche Beziehungen, wenn die Schwestern nicht bereit sind, hinter der Hauptdarstellerin zurückzutreten und die Rolle der Choristin zu übernehmen. Es ist sehr typisch, daß man die Löwe-Frau stets von Freundinnen umgeben antrifft, die sich an sie anlehnen und ihren Rat und ihre Hilfe suchen. Zum Teil liegt das daran, daß sie stark und großzügig ist und das Bedürfnis hat, gebraucht zu werden. Zum Teil aber geht es darum, daß sie keine Konkurrenz mag.
Oft geben Löwe-Frauen dieser Tendenz nach und werden zur Stütze des schwächeren Partners in der Beziehung. Man trifft Löwe-Frauen gelegentlich mit einem sanften, freundlichen, aber im Kern unentschiedenen Mann an, der anbetend zu ihren Füßen liegt, ihnen die Verehrung zollt, die sie so nötig haben, und sich auch noch von ihnen formen läßt. Viele Löwe-Frauen haben Angst vor stärkeren Männern, weil sie dominieren wollen. Daraus entwickeln sich große Schwierigkeiten, denn dieses Dominieren stillt die löwischen, aber nicht die weiblichen Bedürfnisse. Allzu oft übernimmt in der Beziehung die Löwe-Frau die Führung, trifft die Entscheidungen und ist die starke Persönlichkeit, nur um sich dann bitter zu beklagen, daß der Mann schwach ist, obwohl sie ihm in Wirklichkeit nie eine Wahl gelassen hat.
Aus diesem Grund ist es für die Löwe-Frau wichtig, ein Lebensgebiet zu finden, auf dem sie von ihrer Familie unabhängig selber glänzen kann. Wenn sie diese Erfüllung anderswo findet, kann sie die Beziehung zu ihren Angehörigen freizügiger gestalten.
Die Löwe-Frau befaßt sich intensiv mit ihrem Bild in der Öffentlichkeit. Selten trifft man sie mausgrau und unauffällig an. Es liegt ihr viel mehr, sich auffällig zu kleiden, dramatisch aufzutreten und Aufmerksamkeit zu erwecken. Das ist einfach ihr Stil und ihre Ausstrahlung.
Ihre Gaben liegen in ihrer Einmaligkeit und Lebendigkeit und in ihrer Treue und Großzügigkeit denen gegenüber, die sie liebt. Mehr noch als der Löwe-Mann wird die Löwe-Frau in die Partnerschaft Hingabe und unerschütterliche Liebe einbringen - wenn sie gut behandelt wird. Aber das ist nur fair, denn sie ist ein besonderer Mensch und weiß das auch. Einen Löwen darf man nie, aber auch wirklich nie für eine gegebene Größe halten. Die Löwin hat Krallen, und es stört sie nicht, eine Szene zu machen, die andere, angepaßtere Zeichen vor Entsetzen zur Salzsäule erstarren ließen. Wer wirklich eine individualistische Frau sucht, dem wird die Löwin gefallen. Er wird sie sogar lieben, denn ihr Zeichen löst starke Reaktionen aus. lind etwas wird bestimmt nie passieren: daß man sie übersieht.

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15. Februar 2007 um 13:56

Du hast zwar
in deinem vorigen thread um Hilfe ersucht, aber die Beschreibung des Löwen hier ist so gut gelungen, dass ich dich fragen möchte, woher dieser Text stammt?
(Und auch, wenn du es momentan nicht glauben kannst, dein Liebeskummer wird irgendwann Geschichte sein - eine andere Lösung, fürchte ich, gibts nicht)
Alles Gute!

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16. Februar 2007 um 0:19
In Antwort auf ute_11920267

Du hast zwar
in deinem vorigen thread um Hilfe ersucht, aber die Beschreibung des Löwen hier ist so gut gelungen, dass ich dich fragen möchte, woher dieser Text stammt?
(Und auch, wenn du es momentan nicht glauben kannst, dein Liebeskummer wird irgendwann Geschichte sein - eine andere Lösung, fürchte ich, gibts nicht)
Alles Gute!

Buh habe lange gebraucht
bis ich das endlich gelesen habe endlich mal was genaueres...das habe ich gesucht!
also ich finde es stimmt fast alles was dort steht...wenn ich es mit mir vergleiche natürlich

LG lionpur

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